Das Thema „Noten“ kann für einen Anfänger der Musik schnell verwirrend werden und zu einiger Konfusion führen. Ich hoffe, dass Dir dieser Artikel hilft, das Thema Noten besser zu verstehen.


Was sind Noten?

Noten sind lediglich eine graphische Darstellung, um Töne und deren zeitlichen Ablauf, auf einem Blatt Papier festzuhalten. Mach Dir klar, dass Noten an sich keine Musik sind, sondern nur eine visuelle Repräsentation von Musik. In verschiedenen Kulturen gab es im Laufe der Zeit verschiedene Methoden Musik schriftlich zu notieren und manche Kulturen notieren Musik bis heute überhaupt nicht. Die Musik wird dann einfach direkt von Mensch zu Mensch weitergegeben, indem man füreinander spielt und durch Nachahmen lernt.
Eine weitere Methode, Musik z.B. für die Gitarre aufzuschreiben, ist die Tabulatur, bei der die zu spielenden Töne auf graphisch dargestellten Saiten notiert werden. Viele Anfänger denken oft, dass die Tabulatur eine Art Anfängerschrift ist, doch tatsächlich wurde diese Schreibweise schon im späten Mittelalter verwendet um Orgelmusik zu notieren.
Es gibt auch Musiker, die ihre eigene, persönliche Art erfinden für sich Musik aufzuschreiben – ein Beispiel ist der bekannte indische Musiker Ravi Shankar.


Warum hat man die Notenschrift überhaupt erfunden?

Die Notenschrift entstand, weil Menschen nach einer Möglichkeit suchten ein Musikstück festzuhalten, um es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal wiederholen zu können. 
Die Notenschrift machte es auch erstmals möglich, Musik zu vervielfältigen, an andere Menschen weiterzugeben und gab Musikern die Gelegenheit, Stücke von anderen Komponisten nachzuspielen, zu hören, zu interpretieren und daraus zu lernen.
Es gab ja zu dieser Zeit keine Möglichkeiten Musik aufzunehmen, um sie dann später noch einmal anzuhören. 
Du kannst es gut mit einem Buch vergleichen.
Noten sind wie Buchstaben, die eine Geschichte erzählen. Das Buch kann gedruckt, verkauft und verliehen werden, sodass auch andere Menschen eine Geschichte lesen und Spaß daran haben können. Wir erhielten so die unglaubliche Möglichkeit, einen Einblick in die Gedankenwelt eines anderen Menschen zu bekommen, ohne diesen persönlich zu kennen.
Vor dem Buchdruck erzählten sich die Menschen die Geschichten einfach gegenseitig und verbreiteten sie so weiter, aber im Laufe der Zeit führte dies dazu, dass Geschichten durch Hinzufügen, Weglassen oder Interpretationen stark verfälscht wurden und viele Geschichten einfach in Vergessenheit gerieten. All dies änderte sich mit dem Buchdruck, und genauso verhielt es sich mit der Musik durch die Erfindung der Notenschrift.
Die Notenschrift war übrigens nicht die Erfindung eines Einzelnen, sondern ein Prozess, der im Laufe der Jahrhunderte immer mehr verfeinert wurde und im 17. Jahrhundert zur Norm in Europa wurde.


Kann man Musik auch ohne Noten lernen?

Natürlich! Die einheitliche, schriftliche Darstellung von Musik ist vergleichsweise jung im Vergleich zu all den Jahrtausenden in denen Menschen Musik ohne solche Systeme gemacht haben!

Es gibt, wie bereits angesprochen, immer noch viele Kulturen die Musik gar nicht schriftlich notieren. Musik wird dort einfach gespielt und direkt weitergegeben, ohne dass jemand Noten lesen kann.
Du konntest ja auch sprechen bevor Du lesen konntest und niemand hat sich gewundert und gesagt: „Wahnsinn! Dieses Kind kann sprechen ohne die Worte abzulesen! Wie talentiert!“ Hier verhält es sich genau wie in der Musik – die Buchstaben sind nur einen Repräsentation der eigentlichen Töne, die wir Worte nennen.
Du kannst theoretisch Musik lernen und machen ohne die Symbole, die Musik beschreiben, zu kennen – allerdings ist es sehr hilfreich Musik lesen zu können, weil es einem sehr viele tolle Möglichkeiten eröffnet und es viele Dinge leichter macht.


Muss ich am Anfang erstmal Noten lernen?

Ich halte das für keine gute Idee und zwar aus folgendem Grund:
Am Anfang Noten zu lernen ist stinklangweilig und erhöht die Chancen dramatisch, schnell den Spaß an Musik zu verlieren. Als Anfänger geht es gerade darum, so schnell wie möglich Spaß an Musik zu bekommen und Erfolgserlebnisse zu haben. Wenn das nicht passiert, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Du aufgibst extrem hoch – dann wirst Du weder spielen noch Noten lernen!
Gerade am Anfang willst Du so schnell wie möglich etwas spielen, was wie Musik klingt, oder? Du willst nicht erstmal jahrelang etwas studieren, um dann später irgendwann mal Musik zu machen. Du willst JETZT etwas spielen und je mehr Spaß es Dir macht, desto mehr Interesse bekommst Du daran, mehr über Musik zu lernen. 

Ich empfehle deshalb immer die Tabulaturschreibweise, weil sie eine einfache und schnelle Methode ist, Musik für die Gitarre zu lesen und zu spielen. 
Später, wenn das Feuer da ist und Du eine gewisse Ausdauer entwickelt hast, kannst Du auch die herkömmliche Notenschrift lernen.


Die Gefahr der Notenschrift

Gefahr der Notenschrift??? Was soll denn das sein?
Die Gefahr der Notenschrift besteht darin, dass die visuelle Repräsentation der Musik zum Ersatz der Musik selbst wird. Das bedeutet, dass es Musiker gibt, die ohne ein Notenblatt vor der Nase nichts spielen können, es sei denn sie haben das Stück auswendig gelernt und spielen aus dem Gedächtnis. Das Prinzip ist dasselbe. Du kannst nichts spielen was nicht schon vorher existiert hat. Das ist ungefähr so, als würdest Du nur sprechen können, wenn Du ein Buch mit vorbereiteten Sätzen vor Dir liegen hast und die Antworten dann abliest. Das wäre merkwürdig, oder? 
Du willst doch eigenständig mit Sprache umgehen und eigene Sätze, Fragen und Antworten formulieren – du willst spontan und kreativ mit Sprache umgehen können. Das ist eine Gefahr der Notenschrift – sich immer an einem Blatt festhalten und reproduzieren, was dort geschrieben steht. Nach einiger Zeit vergisst man dann, dass die Noten auf dem Papier nur Symbole sind und nicht die Musik selbst. 
Ich hatte mal eine Freundin, die Klavier gespielt hat. Ohne Noten konnte sie absolut gar nichts spielen. Ich fand das äußerst seltsam – wie ein Maler, der nur mit „Malen nach Zahlen“ malen kann...

Es ist also hilfreich Werkzeuge zum Musik machen zu nutzen, wenn aber das Werkzeug zum Meister wird, dann wird es zum Hindernis und kann die eigene Kreativität extrem einschränken.

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