Das Thema Kreativität sorgt häufig für einige Verwirrung und ist mit vielen falschen Annahmen verbunden, die einem wirklich das Leben schwer machen können, wenn man an sie glaubt.

Hast Du schon mal ein Kind gesehen, das keine Phantasiegeschichten erfinden kann? 
Ein Kind, das im Sandkasten Probleme hat sich auszudenken, was es bauen will? 
Ich nicht.
Gibt es Erwachsene, für die die oben genannten Aufgaben fast unlösbar erscheinen? Eine Menge! Wenn Du es mir nicht glaubst, mach einen Test:
Gib ein paar Freunden oder Deinen Eltern die Aufgabe innerhalb von 30 Minuten eine Kurzgeschichte mit erfundenen Charakteren zu schreiben. 
Ich garantiere Dir, dass Du kaum einen erwachsenen Menschen finden wirst für den das kein Problem wäre!

Woher kommt das? Warum ist eine Aufgabe, die für ein Kind überhaupt kein Problem darstellt, für Erwachsene enorm schwierig? 
Wir werden alle als kreative Wesen geboren, die Herausforderung liegt allerdings darin, diese natürliche Kreativität nicht zu verlieren, wenn wir heranwachsen. 
Je älter wir werden, desto mehr werden wir gedrillt Dinge auswendig zu lernen und dann einfach nur zu wiederholen. 
Sobald die Grundschule vorbei ist, werden wir kaum noch nach unserer eigenen Meinung zu einem Thema gefragt und sollen stattdessen nur wiedergeben  was Person X, Y, Z darüber denkt.
Wir müssen keine Phantasieaufsätze mehr schreiben und Geschichten erfinden – im Gegenteil! Uns wird eingebläut vernünftig und nicht aufmüpfig zu sein. Wir sollen die Dinge so lernen wie sie unterrichtet werden und basta. Hinterfragen ist unangenehm für den Lehrer und hält den Fluss der Informationsvermittlung auf. 

Alle paar Jahre gibt es dann irgendwelche Ländervergleiche über unsere Bildungsinstitutionen und deren Methoden und Abschlüsse, die immer wieder zum gleichen Ergebnis kommen: 
Schüler haben Schwierigkeiten mit dem kreativen Lösen von Problemen.
Die Politiker und Lehrer wundern sich und kratzen sich die Köpfe!
Es macht mich jedes Mal wahnsinnig davon zu hören...

Was erwarten wir denn? 
Die Bildungsinstitutionen trainieren uns gute Papageien zu werden, investieren Jahre um dieses Ziel zu erreichen und wenn es dann irgendwann funktioniert, dann wundern wir uns und wünschen uns, dass unsere Schüler kreativer seien!
Absoluter Wahnsinn!

Kreativität ist ein Muskel. Wenn wir ihn nicht regelmäßig trainieren, erschlafft er und wir fallen einer sehr gefährlichen Idee zum Opfer:
Wir fangen an wirklich zu glauben, dass wir nicht kreativ seien.
Viele Menschen, die zu mir kommen, machen diese Aussage.
Den Satz „Ich bin nicht kreativ…“ höre ich immer wieder.
Meine Antwort ist diese: „Dieser Satz zeigt enorme Kreativität!“ 
Verwirrung.
„Hä? Warum?“
„Weil Kreativität Deine Natur ist und Du etwas verleugnest, das für Dich so natürlich ist wie Atmen! Um auf so eine Idee zu kommen, benötigst Du immense Kreativität, weil diese Vorstellung vollkommen absurd ist!“
Und so ist es! Wenn Du Dich selbst für nicht kreativ hältst, bist Du der Fisch, der Probleme mit dem Schwimmen hat!
Die Aussage wäre richtig, wenn sie so formuliert würde: „Ich fühle mich, als ob ich den Zugang zu meiner Kreativität verloren hätte…“ Das ist korrekt und so fühlt es sich für uns an.

Die Kreativität ist immer da, aber es ist leicht den Zugang dazu zu verlieren. 
Diesen Zugang wieder herzustellen ist manchmal nicht leicht und benötigt viel Fingerspitzengefühl und Ausdauer – es ist ein Prozess, in dem es nicht darum geht noch mehr Informationen zu bekommen, sondern Einstellungen und Verhaltensmuster zu verlernen, die uns im Laufe von vielen Jahren unbewusst eingeimpft wurden.

Ein weiteres Missverständnis ist, dass Kreativität ausschließlich mit sogenannten „kreativen“ Tätigkeiten in Verbindung gebracht wird. 
Wenn man Menschen bittet kreative Berufe aufzulisten, so werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit Berufe wie: Künstler, Schriftsteller, Musiker, Designer etc. nennen. 
Das ist unsere Vorstellung von Kreativität.
Ich sehe Kreativität eher als einen Duft. 
Ein Duft, der keiner speziellen Tätigkeit zugeordnet werden muss, aber über jeder Tätigkeit schweben kann.
Wenn Du jemanden kennst, der seine Kreativität nicht verloren hat und Du aufmerksam bist, dann wirst Du merken, dass dieser Mensch in den tausend Dingen des Alltags kreativ ist und seinen Spaß hat. Er wird mit Worten spielen und ständig irgendwelche Wortschöpfungen und Geschichten erschaffen. 
Er wird Dinge einfach auf eine andere Art erledigen und der Duft der Kreativität liegt über allem was er tut. Er ist nicht nur von 10 bis 12 kreativ, wenn er an seinem neuen Buch schreibt – sondern 24 Stunden am Tag. 
Da er so konstant seine Kreativität trainiert, wie einen Muskel durch körperliches Training, fließt sie konstant und ohne große Mühe und Anstrengung.

Andererseits gibt es auch die Fähigkeit, Themen, die wir mit Kreativität in Verbindung bringen, vollkommen unkreativ zu unterrichten. 
Dies passiert natürlich meistens nicht willentlich, sondern unbewusst und entspringt einfach unserer Konditionierung. 
Wir unterrichten so, wie wir selbst unterrichtet wurden – es sei denn, dieser Umstand fällt uns irgendwann auf, und wir treffen die bewusste Entscheidung dieses Problem zu ändern. Bis zu diesem Punkt sind wir selbst Gefangene der eigenen Konditionierung und geben diese unbewusst weiter.

Was meinst Du zu diesem Thema? Hältst Du Dich für kreativ oder meinst Du, dass Du überhaupt nicht kreativ bist? Wie beeinflussen unsere Bildungssysteme wie Schule und Universität unseren Zugang zur eigenen Kreativität? Wie würdest Du an die Aufgabe herangehen, Deine eigene Kreativität wieder zu entdecken?
All dies sind Fragen, über die es sich nachzudenken lohnt.

                                   

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